Nadia
Schon als kleines Mädchen sehnte ich mich nach Freiheit.
Ich und träumte von einer sorgenlosen Zukunft wo ich selber entscheide wie ich mein Leben gestalte. Alle meine Freunde durften entscheiden was sie trugen und wie sie ihre Freizeit gestalten und genau das wollte ich auch.
Nun näherte ich zu meinem 13ten Geburtstag und mein Vater verliess uns. Das Familienleben war nun auf dem Kopf gestellt. Viele redeten meiner Mutter ein, dass es das wichtigste ist was andere jetzt denken von uns, dass ihre Tochter doch langsam ein pubertierendes Mädchen sei und wie die Teenager heutzutage abstürzen und ohne Vater müsste sie doch strenger werden.
Bei meinem Bruder ist es ja egal, weil er ein Junge sei. So fing meine Mutter an den anderen alles recht zu machen indem sie mich einsperrte, verbietet weiterhin eine Sportart auszuüben damit ich nicht in Kontakt mit Jungs komme. Verbat mir mit meinen Freundinnen rauszugehen, an Schullager durfte ich nicht teilnehmen.
Wenn ich mal Zehn Minuten nach Schulschluss nicht daheim war suchte sie die Polizei auf. So fing ich an in den vier Wände meine eigene Welt aufzubauen und mich zufrieden zu geben. Aber auch in den vier Wänden wurde es nicht besser, jeden Tag fing der Tag mit Streit, Gewalt und Tränen an und endete auch so. Da nur das Badezimmer einen Schlüssel hatte wo ich alleine sein konnte, verbrachte ich die meiste Zeit im Bad und sprach mit mir selbst, weinte und verletzte mich selbst.
Sehr oft sprachen meine Lehrer auf die Narben an und nahmen Kontakt mit meiner Mutter auf und probierten ihr zu erklären, dass es ihrer Tochter nicht gut geht. aber das wollte sie nicht verstehen. Der einzige wo mich im Arm nahm war mein grosser Bruder. Aber ihm war meine Mutter sehr viel wichtiger und stellte sich mit der Zeit auf ihre Seite und so wurde mein Alltag noch schwerer zu ertragen
Ich bekam extreme Schlafstörung. Mein Arzt verschrieb mir unter Bedingungen Schlaftabletten und erklärte mir, dass ich nur eine halbe nehmen darf. Nach sehr heftigen Streitereien nahm ich 2-3 Tabletten, das genügte mir schon die Realität nicht mehr wahrzunehmen. Es gefiel mir. Ich wusste damals nicht, dass es auch abhängig machen kann und so verschwand ich immer wieder in einer anderen Dimension.
In der Schule wurden meine Leistungen schlechter und die Schlaflosen Nächte wurden immer wie schlimmer. Ich verspürte sehr viel Druck von allen Seiten. Die Zusammenbrüche konnte ich nicht mehr ertragen & entschied von dieser Welt zu verschwinden. Ich hatte nichts mehr was mich noch am Leben hielt.
Mit Tränen ging ich aus dem Haus. In der Schule bemerkte mein Lehrer, dass es mir nicht gut geht und liess mich 10 Minuten raus um frische Luft zu holen. Ich weinte meine Seele raus, bis keine Tränen mehr übrig waren.
Ich fühlte mich wie ein lebloser Körper, es schien mir alles Sinnlos. Statt wieder in die Stunde zu gehen, ging ich nach und das einzige was ich in meinem Kopf hatte waren die Schlaftabletten. Ich schluckte eine nach den anderen bis beide Packungen leer waren und fing an vor dem Spiegel mit mir selber zu reden stellte mir vor, dass meine Mutter und Bruder mir gerade zuhören würden und so verabschiedete ich von meiner Familie und dieser Welt.
Ich wurde Von zuhause getrennt und in einer Wohngruppe untergebracht wo ich lernen sollte normal zu leben. Ich dachte, dass das der Schlüssel sei für einen Neuanfang und Freiheit aber es zerbrach mir das Herz, dass meine Familie und meine Freunde die mir alles bedeuteten sich von mir distanzierten und die Außenwelt akzeptierte mich nicht. Es fiel mir sehr schwer mit 14 Jahren erwachsen sein zu müssen. Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen und musste auf Knopfdruck alles können.
Ich gab mich als Jemanden vor der ich gar nicht war und fing an mich als sehr stark und selbstbewusst zu zeigen, war ich aber nicht. Ich musste einsehen, dass ich aus meiner Depression nicht draussen war, sondern noch tiefer feststeckte als je zuvor. Ich, genau das Mädchen die sich nach Freiheit gesehnt hatte bemerkte, dass dies nicht meine Freiheit war.
2014-2015
Ich erlitt soviel Diskriminierungen, Abweisungen, Enttäuschungen und unendlich viel Hass von der Aussenwelt. Und so nahmen meine Depressionen die Kontrolle über mich. Ich setze ein Lächeln auf und starb innerlich Stück für Stück. Ich konnte keine Beziehungen wie neue Freunde, Arbeitskollegen oder einen Partner auf die Reihe kriegen.
Obwohl ich wusste wie es ist abgewiesen und verlassen zu werden, verliess ich alle Menschen die mir Nahe kamen, weil ich Angst hatte. Ich war zerbrechlich und müde, müde von dieser Gesellschaft, vom System. Ich wollte nichts mehr von mir Preis geben, ich besass nichts ausser der Maske, welche ich immer aufsetzen musste um zu funktionieren.
Niemand konnte mich überzeugen, dass das Leben in dieser Gesellschaft einfach ist. Dieser Ablauf vom Leben war nicht das was mich erfüllte.
Immer wieder aus dem nichts verschwand ich aus der Bildfläche und wollte nur noch vom Erdboden verschlungen sein.
Anfang 2016
Mit Alkohol und Cannabis Konsum konnte ich nicht mehr viel verändern und rutschte in harten Drogen Konsum rein und kam eine lange Zeit nicht raus. Das war meine Flucht von der Realität und bemerkte nicht, dass es mich körperlich und psychisch nur noch mehr schadete.
In der Arbeitswelt wurde ich nur noch ausgenutzt und sehr schlecht behandelt und musste so einiges über mich ergehen lassen, weil ich nicht wusste was richtig und falsch war und grossen Angst hatte nicht gut genug zu sein.
Statt mit meiner Therapeutin über alles zu reden täuschte ich ihr Vieles vor und erzählte ihr nur das was hören wollte. Ich stopfte all die Probleme in meinem Kopf rein und täuschte mir selber vor, dass alles in Ordnung wäre.
Es kam mir vor als wäre ich die einzige, die ein Problemfall sei und bei alle anderen würde es reibungslos laufen, was natürlich nicht stimmte, es redet bloss keiner darüber.
Ich begegnete eine neue Seele, die neu in der WG einzog. Sie gab mir das Gefühl nicht allein mit meinen Problemen zu sein, dass es in Ordnung ist anders zu sein. Wir zusammen erkundeten die Welt und gaben uns gegenseitig Mut und Kraft am Leben zu bleiben.
Ihre Beziehung mit ihrem Freund zeigte mir, dass man an einer Beziehung arbeiten muss statt wegen jeder Kleinigkeit Angst zu haben und weg zu rennen.
Ich fing an, an meiner Person zu arbeiten. Ich machte grosse Fortschritte.
Ich wollte keinen Therapeuten. Ich wollte mein eigener Therapeut werden. Ich lernte wie es ist meine eigene beste Freundin zu sein und fing an alles niederzuschreiben, was mich stört, mir gefällt, was mir gut tut und woran ich noch Zweifel habe.
Ein last fiel mir vom Herzen sobald ich alles nur in Tinte sah.
Ich konnte auf einmal meine Vergangenheit abschliessen und daraus profitieren. Indem ich immer öfter meine Geschichte erzählte merkte ich schnell, dass es da draussen Menschen gibt die etwa das gleiche oder schlimmeres durch machten.
Vielen konnte ich ein Stück weiter helfen in dem ich ihnen das Gefühl gab nicht alleine zu sein und merkte, dass ich durch zehn Minuten Austausch einiges verändern konnte! Früher hätte ich mir das gewünscht. Jemanden gehabt zu haben wo mir seine Geschichte erzählte und mir das Gefühl gab, dass schlussendlich ein gutes Ende kommen wird.
Aus diesem Grund beschloss ich dieser Jemand zu werden und so fand dieser Prozess ein gutes Ende. Nun kann ich sagen das ich zu einer selbstbewussten jungen Frau geworden bin.
All das was passierte hatte seine Vor- und Nachteile nun bin ich dankbar, dass ich die Vorteile endlich eingesehen habe.
Ich sah ein, dass es für uns beiden nicht einfach war und weinend drückten wir uns in den Armen.
26.12.2016
Nach Vier Jahren betrat ich mein Zuhause. Ich nahm mir vor meine Emotionen unter Kontrolle zu halten aber als ich meine Mutter sah brach ich in Tränen aus.
Wir weinten Stunden lang und entschuldigten uns als hätten wir was Schlimmes verbrochen, dabei waren wir doch beide nur hilflos und wussten nicht wo entlang.
Ich kann jetzt meine Mutter sehr gut verstehen, es muss schrecklich sein als Mutter die eigene Tochter in so einem Jungen Alter gehen zu lassen. Damals war ich erstickt in meiner Welt und war nicht Reif genug in die Lage von meiner Mutter hineinversetzen.
Wie schwer es ist als junge alleinerziehende Mutter, überrumpelt und eingeengt von der Gesellschaft zu sein. Zwischen zwei verschiede Kulturen allen alles Recht machen zu müssen und jeden Tag aufs neue anhören zu müssen, dass man alles falsch macht.
Ich habe meine Freiheit erlangt!
Es ist nicht immer einfach über die Vergangenheit zu reden. Darum fehlen noch Geschichten. Auf dem Blog findest du aber weitere bewegende Geschichten.
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Nina
Zweiradmechanikerin und Rennradfahrenin
Wenn das Liebste bedeutungslos scheint
Zu meiner Person:
Mein Name ist Nina und ich bin 23 Jahre alt.
Seit mittlerweile bald 3 Jahren arbeite ich als Zweiradmechanikerin in meiner Lieblingsstadt Zürich.
Mein Wohnsitz liegt in Chur, pendeln gehört zu meinem Alltag.
Zu meinen Hobbies gehört das modeln und das Rennradfahren.
Körperliche Fitness liegt mir sehr am Herzen, deshalb trainiere ich auch bis zu 6 mal pro Woche.
Meine Story:
Bist du im Einklang mit dir selber, was siehst du wenn du in den Spiegel schaust?
Diese und viele weitere Fragen begleiten mich nun schon seit über 4 Jahren.
Unzufrieden mit sich selber sein, dieses Problem kennen viele. Aber was bedeutet es, wenn es dich bis in die Magersucht treibt? Diese eine Stimme im Kopf die dir immerzu sagt, dass du eines Tages das Gefühl der kompletten Kontrolle über dich erlangst. Du wirst wenn du dich im Griff hast deinen Körper wieder mögen!
Kontrolle, ein tolles Wort.. Nur ist die völlige Kontrolle in dieser Branche irgendwann wenn du Pech hast dein Todesurteil.
Lange Zeit habe ich mich von dem Gefühl mich irgendwann wieder wohl zu fühlen antreiben lassen. Bis ich eines Tages feststellen musste, dass mir die Kraft Sport zu machen fehlte. Sport, mein Rennrad das Ticket in die Freiheit. Es gibt mir das Gefühl von Glück und Zufriedenheit.
Ich begann meinen Psychotherapeuten zu besuchen, dank ihm, meinem Umfeld und meiner Willenskraft schaffte ich es innerhalb von 6 Monaten komplett aus der Magersucht.
In der Zeit durchlitt ich einen Kampf mit mir selber. Ich musste lernen mich zu akzeptieren, zu Essen, das Essen in meinem Körper zu halten.
Im Januar 2018 konnte ich von mir behaupten, die Krankheit besiegt zu haben.
Photo © Bettina Humm,
Styling/Makeup Miracle Make Up
Sommer 2018
Beruflich werde ich mittlerweile sehr gefordert, die Arbeit und die Verantwortung meinerseits im Betrieb werden grösser. Langsam aber sicher merke ich auch wie mir die insgesamt 3 Stunden täglich an Arbeitsweg zusetzen. Ich bin von 9 Uhr bis 19Uhr Abends im Betrieb. Es ist zu erwähnen, dass ich meine Arbeit sehr mag, ich liebe den Kundenkontakt und die technischen Herausforderungen in der Werkstatt.
Ich beginne weniger zu schlafen und mehr Alkohol zu konsumieren. Anfangs hilft das beim abschalten und den Feierabend zu geniessen.
Mit der Zeit wurde ich Unglücklich. Ich wurde kalt und emotionslos, niemand konnte mich mehr für Aktivitäten begeistern, ich hatte das Gefühl keine Energie mehr zu haben. Mein Appetit sank drastisch. Ich sehnte mich nach Nähe, Familie und meiner Partnerin. Doch sobald sie da waren wurde mein Zustand schlimmer. Ich bekam Schuldgefühle, weil ich keine Freude für ihre Anwesenheit empfinden konnte. Ich hatte was ich wollte und wollte es im selben Moment wieder loswerden. Das Gefühl zu ertragen, dass dich niemand aus deinem traurigen Zustand holen kann, machte es umso schwieriger es auszuhalten. Ich war müde, dauernd, ich wollte nur noch schlafen. Das schlechte Gefühl «verschlafen.»
Bist du im Einklang mit dir selber, was siehst du wenn du in den Spiegel schaust?
Diese Leere, das Gefühl nicht stark genug für dieses Leben zu sein. Wer möchte denn schon zu den «schwachen» gehören? Wer würde dir überhaupt glauben geschweige denn ernst nehmen?
Äusserlich fehlt mir ja nichts oder?
Wie so oft, war es mein liebstes Hobby, dass mir die Augen öffnete. Als ich feststellen musste, dass ich die Lust Fahrradfahren komplett verlor, war mir klar dass sich etwas ändern sollte.
Herbst 2018
Ich arbeite an mir, meinem Umfeld der Arbeit, meinem Wohnsitz und bemühe mich durch verschiedenste Aktivitäten die Freude am Leben zurück zu erlangen.
Ich mache Fortschritte, mittlerweile habe ich wirklich gute Tage und ich bin guter Dinge, dass ich es daraus schaffe!
Mir war nie bewusst wie ernst Depressionen zu nehmen sind.
In der heutigen Gesellschaft ist es nicht einfach mit dem ständigen Leistungsdruck umzugehen. Ich rate jedem und jeder sich bei den kleinsten Anzeichen helfen zu lassen.
Das Thema ist ernst zu nehmen und wird in meinen Augen unterschätzt. Es kann jeden treffen.
Aus diesem Grund, gebt auf euch acht. Ihr seid das einzig wichtige.